Im Folgenden werden einige Methoden vorgestellt, wie man den praktischen Projekttag neben dem gemeinsamen Ernten gestalten kann. Über neue Ideen und Anregungen für Methoden auf dem Hof, insbesondere zum Thema Lebensmittelverschwendung, freuen wir uns! Diese können an die Projektkoordination geschickt werden: info@slowfood-gug.de

Die Hofführung

Hofführung

Jeder Hof hat seine Spezialitäten und Besonderheiten – und eben diese Einzigartigkeit der verschiedenen Lebens- und Arbeitsweisen der jeweiligen Höfe spielen bei der Rundführung eine zentrale Rolle. Die Rundführung ermöglicht es den SchülerInnen, auf dem Hof anzukommen und gibt ihnen Raum, beim gemeinsamen Rundgang Fragen zu stellen und einen Eindruck über das Leben auf dem Hof zu gewinnen. Ein Schwerpunkt der Hofführung sollte auch das Thematisieren von Lebensmittelverlusten sein: Wo finden Lebensmittelverluste auf dem Hof statt und was macht der Hof mit dem Gemüse, das nicht vermarktet werden kann?

Wie die Hofführung möglichst interaktiv und anschaulich gestaltet werden kann, erfahren Sie in der Handreichung für Landwirte.

Methoden für den Hof

Der Schwerpunkt liegt bei diesen Methoden auf konkreten Sinnes- und Naturerfahrungen: Die Kinder und Jugendlichen sollen mit allen Sinnen erfahren – indem sie riechen, schmecken und tasten – wie das Leben und Arbeiten auf dem Hof stattfindet.

Die lebendige Kamera

Die lebendige Kamera

Die lebendige Kamera eignet sich gut als Einstiegsspiel. Auch wenn die Aufmerksamkeit der Kinder und Jugendlichen sinkt, ist es eine geeignete Methode, um wieder mehr Ruhe und Konzentration in die Gruppe zu bringen.

Bei diesem Spiel befinden sich immer zwei SchülerInnen in einer Gruppe. Ein(e) SchülerIn schließt die Augen und übernimmt die Funktion einer Kamera – während die/der andere sie/ihn an eine Stelle auf dem Hof führt, die sie/er besonders schön oder spannend findet. Sobald sie an der Stelle angekommen sind, werden der Körper und der Kopf der lebendigen Kamera so justiert, dass sie/er beim Öffnen der Augen sofort auf die Stelle blickt, die von der/dem PartnerIn ausgewählt wurde. Sie/Er kann daraufhin ihren Eindruck schildern und danach abfragen, wieso die/der PartnerIn diese Stelle ausgesucht hat. Daraufhin wechselt die lebendige Kamera.

Was versteckt sich im Säckchen?

Was versteckt sich

Tasten und riechen ist bei dieser Methode erlaubt, die es den Kindern und Jugendlichen ermöglicht, die Gemüsesorten des Hofes spielerisch zu entdecken. Hierzu müssen verschiedene Gemüsesorten in blickdichte Stoffsäckchen gesteckt werden und an einem Ort auf dem Hof, zum Beispiel an einem Baum oder Zaun befestigt/aufgehängt werden.

Nachdem alle Kinder und Jugendlichen die Säckchen befühlen konnten, wird in der Gruppe abgefragt, was sich in den jeweiligen Säckchen verbirgt. Im folgenden wird nacheinander das jeweilige Gemüse aus den Säckchen genommen. Kennt jeder die Gemüsesorte oder ist sie unbekannt?

*Anmerkung: Dass man als Kind oder Jugendlicher viele Gemüsesorten nicht kennt, ist in unserer naturdistanzierten Gesellschaft normal. Um Lernhemmnisse abzubauen, sollte man den Kindern und Jugendlichen deshalb in erster Linie die Angst vor dem Raten nehmen und sich nicht wundern, wenn heimisches Gemüse oft nicht erkannt wird.

Was hat wann Saison?

Saison

Nachdem dem Gemüse Namen zugeordnet wurden, kann das Spiel auch um das Thema Saison erweitert werden. Hierzu kann man sich gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen für die Jahreszeiten vier verschiedene Figuren ausdenken, zum Beispiel für den Winter die Arme verschränken und ein Frösteln nachahmen. Nun sagt der Spielleiter zum Beispiel: „Rote Bete“: Die Kinder und Jugendlichen entscheiden daraufhin, wann Rote Bete Saison hat und ahmen entsprechend die Figur oder Figuren nach.

Bodenkunde

Boden

Ohne fruchtbare Böden gibt es keine Lebensmittel. Aber woraus bestehen Böden eigentlich? Wie stark unterscheiden sie sich und worauf muss die/der LandwirtIn achten, wenn sie/er langfristig und nachhaltig auf ihren/seinen Landflächen Lebensmittel erzeugen möchte? Ein einfacher Einstieg, um auf diese Fragen einzugehen, bietet das Sammeln von verschiedenen Böden auf dem Hof.

Auf dem Hof Apfeltraum konnten die TeilnehmerInnen des Workshops „Teller statt Tonne“ für LandwirtInnen beispielsweise auf einer begrenzten Fläche ohne Weiteres fünfzehn verschiedene Bodenarten ausfindig machen. Diese Proben können in die Hand genommen, gerochen und betrachtet werden. Anschließend kann gemeinsam mit der/dem LandwirtIn besprochen werden, welche Bodenarten er auf seinem Hof hat, welche Vor- und Nachteile er für den Anbau von Lebensmitteln sieht und wie sie gepflegt werden müssen.

*Anmerkung: Mit Hilfe dieser sinnesorientierten Übung sollen die Kinder und Jugendlichen einen greifbaren Bezug zu ihrer direkten Umwelt, der Bodenvielfalt und der Bedeutung intakter Böden erhalten. Darauf aufbauend können im Unterricht Themen wie Landraub und der verschwenderische Umgang mit unseren limitierten Ressourcen aufgegriffen werden.

Spezifische Methoden zum Thema Lebensmittelverschwendung

Das Schwerpunktthema des Schulprojekts ist Lebensmittelverschwendung und deren Auswirkungen auf Hunger und Armut im Globalen Süden. Auch dieses Thema lässt sich auf dem Hof anschaulich vermitteln.

Lebensmittelverluste: Überschwemmung, Mäuseplage oder Dürre?

Verluste

Auf jedem Hof gibt es verschiedene Ursachen, weshalb ein Teil der Ernte verloren geht und das angebaute Gemüse nicht wie gewünscht geerntet werden kann – ebenso unterschiedlich sind die Maßnahmen, um dagegen vorzugehen. So berichteten am Schulprojekt teilnehmende LandwirtInnen von Mäuseplagen, Überschwemmungen oder fehlenden Abnehmern für geerntetes Gemüse.

Für den Projekttag kann man sich als teilnehmende(r) LandwirtIn überlegen, bei welchen Situationen auf dem eigenen Hof (große oder ungewöhnliche) Lebensmittelverluste entstanden sind und wie dagegen vorgegangen wurde. Während der Hofführung können diese Situationen den SchülerInnen beschrieben werden. Spannend ist hier auch zu erfahren, ob eine zufriedenstellende Lösung gefunden wurde.

Wie viel und welche Nahrung braucht eine Kuh, ein Schwein oder ein Huhn für ein (gutes) Leben?

Tiere und Nahrung

Wie viel und welches Futter bzw. wie viel Wasser brauchen die Tiere auf dem Hof, um groß zu werden und uns ihre Milch und ihr Fleisch zu geben? Dieser Frage kann auf dem Hof konkret nachgegangen werden, indem die Kinder und Jugendlichen beispielsweise die Menge an Silage, Gras oder anderem Futter, das die Tiere für einen Tag benötigen, schätzen und auf einen Haufen legen. Diese Methode löst bei vielen SchülerInnen einen „Aha“-Effekt aus, da sie häufig keine Vorstellungen von den Futterdimensionen von Nutztieren haben. Als Vergleich hierzu kann man die SchülerInnen raten lassen, wie viel Milch eine Kuh pro Tag gibt. So können sie berechnen, wie viel Futter und Wasser benötigt wird, um einen Liter Milch zu erzeugen. Hier lässt sich die Verbindung zwischen Lebensmittelverschwendung und Ressourcen gut aufgreifen: Wenn Milch im Kühlschrank verdirbt oder ein halbes Schnitzel auf dem Teller liegen bleibt, wie viele Ressourcen gehen dadurch verloren?

*Je nachdem wie alt die SchülerInnen sind kann man auch darüber diskutieren, woher das Futter stammt und so auch einen Link zum Globalen Süden schaffen.

Gemeinsames Ernten

Ernten

Das gemeinsame Ernten ist der Höhepunkt des Projekttags. Beim gemeinsamen Ernten sehen die Kinder und Jugendlichen, wie unterschiedlich Gemüse aussehen kann. Zweibeinige Möhren oder Herzchenkartoffeln sind dabei sehr beliebt und führen schnell zu einer Diskussion, weshalb sie nicht im Supermarkt zu sehen sind. Das gemeinsame Ernten schafft zugleich eine große Nähe zur Natur und stärkt das Bewusstsein für die aufwändige Arbeit der LandwirtInnen. Beim Ernten sollten mit den SchülerInnen zuvor klare Regeln abgesprochen werden: Was darf geerntet werden? Und wie viel? Auch die Frage „Wo darf geerntet werden?“ spielt eine wichtige Rolle, denn manchmal übersehen Kinder und Jugendliche zum Beispiel Jungpflanzen und zertreten sie versehentlich.

Neben diesen Regeln soll vor der Ernteaktion mit den SchülerInnen über die Erntemenge gesprochen werden: Für wie viele SchülerInnen soll gekocht werden? Diese Frage sollte unbedingt gestellt werden, da zu große Mengen dazu führen, dass unter Umständen Lebensmittel verschwendet werden.

Betrachten, Benennen & Aussortieren von Gemüse

Aussortieren

Nach der gemeinsamen Ernteaktion kann das Gemüse nochmal gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen betrachtet werden: Wie heißt das Gemüse, das geerntet wurde, gibt es Auffälligkeiten, interessante Formen oder neue Sorten, die kennengelernt werden konnten? Ein weiterer, interessanter Aspekt ist, welche Teile des Gemüses gegessen werden können, beispielsweise die Blätter der Roten Bete oder die Stiele des Mangolds – wertvolle, essbare Teile der jeweiligen Nutzpflanze, die man häufig nicht im Supermarkt findet.

Danach geht es um so genanntes Knubbelgemüse: krummes Gemüse sowie Gemüse, das dunkle bzw. verfärbte Stellen hat oder zu klein oder zu groß für den Handel ist. Zunächst sollen die SchülerInnen selbst aussortieren: Was würden sie essen, was nicht? In einem zweiten Schritt sollen sie entscheiden, was der Handel nimmt und was nicht. Hierzu eignen sich Gemüsekisten, an denen Schilder angebracht wurden, wie es etwa der Getrudenhof auf seinen Rundführungen zum Thema Lebensmittelverschwendung macht.

Zusätzlich gibt es die Option, Schablonen für die gewünschten Größen des jeweiligen Gemüse, zum Beispiele für Kartoffeln, zu erstellen, damit die Kinder und Jugendlichen selbst ausprobieren können, welche Größe die Kartoffeln haben müssen, damit sie in den Handel kommen.

Lagerung

Lagerung

Die Lagerung von Gemüse auf dem Hof ist ein wichtiger Aspekt, wenn es um Lebensmittelhaltbarkeit/-verluste geht: Weshalb werden Kartoffeln dunkeln gelagert? Wieso schadet Feuchtigkeit oder Frost manchen Gemüsesorten? Diese und andere Fragen können von/vom (der) jeweiligen LandwirtIn aufgegriffen und bei Führungen durch die Lagerräume anschaulich erklärt werden. Das dadurch erlernte Wissen kann auch auf den Alltag der Kinder und Jugendlichen übertragen werden.

Lebensmittelverschwendung hier und im Globalen Süden

Um einen Vergleich zum Globalen Süden zu visualisieren, können die SchülerInnen schätzen, wie viel ein(e) deutsche(r) KonsumentIn pro Jahr entsorgt (ca. 80-110 kg) und wie viel im Vergleich hierzu beispielsweise VerbraucherInnen aus den Ländern des subsaharischen Afrikas entsorgen (ca. 6 kg). Mit Hilfe von gesammeltem Gemüse kann der Vergleich veranschaulicht werden. Im Anschluss daran oder im späteren Unterricht kann dieser Vergleich nochmals aufgegriffen werden: Woran liegt es, dass in Deutschland Verbraucher viel mehr unnötig entsorgen als im südlichen Afrika? Hierzu kann man auch auf Themen wie „fehlende Wertschätzung für Lebensmittel“, „Leben im Überfluss“ im Globalen Norden und „Hunger und Armut“ im Globalen Süden eingehen.

Solidarische Landwirtschaft und Hofläden

Das System der Solidarischen Landwirtschaft oder von Hofläden bewirkt durch die direkte Abnahme des vom Hof produzierten Gemüses, dass auf dem Weg vom Acker zum Verbraucher kaum Gemüse verloren geht. Neben kurzen Transportwegen und Lagerzeiten nehmen die Verbraucher auch das ganze Gemüse ab, auch solches, das für den Handel zu klein, zu groß oder zu unförmig ist. Wenn ein Projekttag auf einem Hof abgehalten wird, der Solidarische Landwirtschaft betreibt oder auf dem es einen Hofladen gibt, können diese Aspekte näher beleuchtet werden – als zukunftsträchtiges Modell einer nachhaltigen und regionalen Lebensmittelversorgung, welche die Lebensmittelverschwendung stark eindämmen kann.